Fußball: Die Schule fürs Leben

Nicht nur im Abstiegskampf: Die 11 Gebote zum Überleben!

Abstiegskampf/Aufstiegsspiel: Heisses Herz und kühler Kopf – und meine 11 Gebote – können vielleicht helfen!

Oft werde ich zu Relegationsspielen gefragt, mit welchem Rezept ist man denn eigentlich erfolgreich, gerade im letzten, entscheidenden Spiel?
Da ich dazu schon einige „Schlachten“ (als Spieler, Coach, Sportlicher Leiter) geschlagen habe, helfen vielleicht meine „11 Gebote„:

1) Du sollst nicht verkrampfen!

Die richtige Mischung zwischen Anspannung, Lockerheit, Kampfgeist und Gelassenheit finden. Oder: „Mit heissem Herz und kühlem Kopf“!

2) Freu Dich drauf!

Das Endspiel nicht als „Unsere letzte Chance, wenn wir das nicht gewinnen,..“ darstellen, sondern sich mit Freude und Lust darauf vorbereiten („Jetzt zeigen wir dem Gegner und unseren Fans mal richtig, was wir können“)

3) Wecke die Leidenschaft und den Siegeswillen

Markige Sprüche („die hau´n wir weg“) gehören natürlich dazu, aber vielleicht noch entscheidender ist ein klares Konzept, die vereinbarte Ordnung halten und gerade wenn´s nicht läuft, die Nerven behalten und auch einen Plan B in der Schublade haben (Negativ-Beispiel aus der WM 2014: Brasilien im Halbfinale gegen Deutschland)

4) Konzentriere Dich auf die Stärken des Teams

Den Spielern und der Mannschaft die eigenen Stärken (nochmals) bewusst machen, an Erfolge (einzeln, des Teams) erinnern, inspirierende „Bilder im Kopf“ erzeugen (stellt Euch mal vor, wenn wir das Ding gewinnen, was hier für eine Party abgeht…)

5) Sei Dir bewusst, dass Du (als Trainer) gerade jetzt die wichtigste Person bist.

So wie Du Dich gibst (ruhig, selbstbewusst, zuversichtlich und nicht nervös, fahrig, zweifelnd), so wird die Mannschaft auftreten. Und ganz wichtig (Trainer): Das entgegengesetzte Spiegelbild der Mannschaft und des Spielverlaufs abbilden. Bei Hektik oder ausufernden Emotionen beruhigen, bei Mutlosigkeit (Gegentreffer, Rückstand) aufbauen, emotional werden, „Gas geben“.

6) Halte Dir einen (offensiv ausgerichteten) Joker in der Hinterhand.

Die meisten Spiele werden in den letzten 15 Minuten entschieden, gerade wenn die Mannschaften müde werden und damit auch die Konzentration nachlässt. Gerade jetzt kann ein abgebrühter Joker – der vielleicht nicht mehr 90 Minuten durchhält, aber die entsprechende Erfahrung und Ruhe vor dem Tor mitbringt – Gold wert sein.

7) Achte auf die Ordnung in der Mannschaft

Nicht schon beim ersten (Führungs-/Gegen-) Treffer die Nerven verlieren und das vereinbarte Spielsystem auflösen. Wenn auf dem Platz alle Spieler machen, was sie wollen, aber keiner, was er soll, dann habt ihr schon verloren.

8) Gehe sparsam mit Auswechslungen um

Denke an das CL-Finale 1999, als bei Bayern München fünf  Minuten vor Schluss Lothar Matthäus beim Stand von 1:0  (vollkommen unnötig) den Platz verliess und das Spiel gegen ManU dann noch 1:2 verloren ging. Oder nehme Dir Bastian Kampf-Schweinsteiger beim WM Finale 2014 als Beispiel. Wenn „Leader“ vom Platz gehen, ist dies immer ein Zeichen, sowohl für die eigene, als auch für die gegnerische Mannschaft. Und wenn Du unnötigerweis in der Defensive umstellst, geht die Zuordnung verloren und die entsprechende  Abstimmung verloren.

9) Standard-Situationen können Dein Leben retten

Beziehungsweise enge Spiele entscheiden. Deswegen steht das Einüben dieser Situationen (Freistöße, Ecken,  für/gegen die eigene Mannschaft) ganz oben auf dem Trainingsplan in den letzten Wochen.

10) Sei kein Hasenfuss, spiele auf Sieg!

Wenn Du auf ein Unentschieden aus bist, hast Du schon verloren. Die Defensiv-Ausrichtung setzt sich in den Köpfen der Spieler fest, bei einem möglichen Rückstand kann „der Schalter“ nur noch schwer umgelegt werden. Mache es wie Otto Rehhagel (mit seiner „kontrollierten Offensive„), zwinge den Gegner, sich nach Deinem System zu richten und nicht umgekehrt. Nimm Dir vielleicht auch Jogi Löw als VORBILD, welcher im Endspiel gegen Argentinien eine offensive Aufstellung wählte und bei seinen Einwechslungen mit André Schürrle und Mario Götze den Sieg und kein Unentschieden wollte. Und Glück hat nur der Tüchtige/Mutige, der sein Schicksal selber in die Hand nimmt.

11) Und das letzte, vielleicht wichtigste Gebot ( Gerade im Amateur- und Kinder-/Jugendbereich): Die Bedeutung des Spiels relativieren:

„Mir ist eigentlich egal, wie das Spiel ausgeht. Das einzige, was ich sehen will, ist, dass ihr als MANNSCHAFT auftretet (gegenseitig helfen, zusammenhalten,…), Euch an die besprochenen Aufgaben haltet und bis zum Schluss kämpft. Und wenn es dann nicht reicht, Leben geht weiter…“

Viel Erfolg und vielleicht haben Sie ja so viel Glück (weil auch dieses braucht man….) wie die „Furchtlosen und Treuen“ des VfB Stuttgart!

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