Fußball: Die Schule fürs Leben

In der Krise die Nerven behalten

Erfolgreiches Krisenmanagement, für Mannschaften und für Unternehmen

Fußballmannschaften zeigen, dass eine kritische Situation noch keine Krise ist, und eine Krise kein Weltuntergang.

Lehrbeispiele für Unternehmen

Katerstimmung nach den enttäuschenden Ergebnissen unserer Weltmeister in den Spielen gegen Polen und Irland. Borussia Dortmund stürzte „aus allen Wolken“, der einst so ruhmreiche VfB Stuttgart ist Tabellenletzter und beim bisher Krisengeschüttelten HSV (vor kurzem noch als „Hamburger „Streit“ Verein tituliert) wurde zwar nach komplettem Wechsel in der Führungsmannschaft wieder beim Training gescherzt und gelacht, aber „aus dem Schneider sind die Nordlichter immer noch nicht. Ganz im Gegensatz zu den Bremern, die wie „Phönix aus der Asche“ aufstanden und sogar wieder am internationalen Geschäft schnuppern.

Was ist in den letzten Wochen bei diesen Mannschaften passiert, sprechen wir auch bei Jogis Team schon von einer echten Krise, was muss man tun, damit aus dieser keine echte Katastrophe entsteht und wie hat es Werder Bremen eigentlich geschafft, das Ruder herumzureißen?

1. Jogi Löw und seine Weltmeister: „Das hatte ich fast erwartet“
Eine kritische Situation ist noch keine Krise, behalten Sie die Nerven!

Bei den Gewinnern unseres „vierten Sternes“ war zu erwarten, dass es nach der Party in Brasilien nicht genauso weiter gehen kann. Rücktritte und Verletzungen von bisherigen Leistungsträgern, kaum Zeit für dringend benötigte Regeneration bei den noch vorhandenen „Weltmeistern“ und unerfahrene „Azubis“ in der Mannschaft, das konnte eigentlich nicht gutgehen. Auch deswegen handelt es sich bei den letzten Ergebnissen „nur“ um eine kurzfristige Serie von Rückschlägen und das Ausrufen einer Krise wäre das vollkommen verkehrte Signal zum verkehrten Zeitpunkt.

Damit diese erst gar nicht entstehen kann, heißt es einfach: Die Ruhe bewahren und die Nerven behalten! Wenn das „Team hinter dem Team“, egal ob auf dem grünen Rasen oder im Büro, aber jetzt nicht zusammenhält, unterschiedliche Aussagen trifft, hektisch und nicht abgestimmt agiert, oder im schlimmsten Fall Schuldzuweisungen vornimmt, dann ist der Boden perfekt für den Beginn einer tatsächliche Krise bereitet.

Noch ist bei unseren Weltmeistern kein Anlass, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Die aktuelle Durststrecke muss akzeptiert und ertragen werden. Wenn die aktuell fehlenden oder „ausgebrannten“ Spieler wieder zur Verfügung stehen, steigt die Leistung automatisch und die Ergebnisse stimmen wieder.

2. „Das ist eine echte Krise, was soll man sonst noch dazu sagen“ (M. Zorc, Borussia Dortmund)
Jetzt muss schnell gehandelt werden!

So schnell kann es gehen mit dem Erfolg. Vor zwei Jahren noch Deutscher Meister und Pokalsieger, und im letzten Jahr im Champions-League-Finale unglücklich gegen den FC Bayern München verloren. Die Zeche für diese Erfolge wurde bei Borussia Dortmund in den letzten Monaten fällig. Die Garanten der vergangenen Erfolge von Konkurrenten weggelockt, eine anhaltende Verletzungsmisere und Gegner, die sich auf die Spielweise der „Schwarz-Gelben“ eingestellt haben. Da half nicht mehr „Schönreden“ und auf bessere Zeiten warten, da musste gehandelt werden.

Das klare Erkennen und Akzeptieren einer Krise, und vor allem die offene und schonungslose Kommunikation nach innen und nach außen, können schon der Schlüssel zum späteren Erfolg sein. Dabei wäre es als Führungskraft fatal, Schuldzuweisungen und Abwälzung von Verantwortung vorzunehmen. Sie sind Teil des Teams und nur gemeinsam können sie es schaffen. Sachlich die Ursachen analysieren, Handlungsoptionen entwickeln und bewerten, Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen. Binden Sie bei dieser Vorgehensweise auch Ihr Team mit ein, um „Betriebsblindheit“ zu vermeiden hilft auch der Rat von externen Experten. Und vor dem Start der Umsetzung: Information, Information und Information, lieber zu viel als zu wenig.
Machen Sie sachlich und in einfachen Sätzen klar, warum es zu diesem Zustand gekommen ist, was die kurz- und mittelfristigen Pläne sind und was von jedem Einzelnen konkret zur Verbesserung der Situation erwartet wird. Bei diesem Notfallplan müssen im Zweifel auch bisherige Ziele angepasst und der Fokus auf kurzfristige Resultate gelegt werden. Es geht schließlich darum, die Existenz der Organisation zu erhalten und eine Katastrophe zu vermeiden, egal ob es sich dabei „nur“ um einen Abstieg oder um eine Insolvenz handelt. Zu einem erfolgreichen Krisenmanagement gehört natürlich auch, dass die Zustimmung und Rückendeckung der beteiligten Gremien (Vorstand, Aufsichts-/Betriebsrat, Kapitalgeber,…) eingeholt wird.

Den Dortmunder „Borussen“ gelang es tatsächlich, wieder die Kurve zu kriegen. Im Zweifel muss man sich halt von bisherigen Zielen verabschieden und auch einmal eine Durststrecke akzeptieren. Entscheidend für das erfolgreiche Krisenmanagement war bei den „Schwarz-Gelben“ das (weiterhin geschlossene) Verhalten der Führungsmannschaft und die anhaltende Unterstützung der Fans. Auch weil ja zu einer „echten Liebe“ das Zueinanderstehen gerade auch in schlechten Zeiten gehört.

3. „Die Situation ist aussichtslos, aber nicht kritisch“
Menschen machen den Unterschied!

Treffender als „Fußball-Philosoph“ Stefan Effenberg könnte man die Situation bei den „tapferen Schwaben“ aus Stuttgart nicht beschreiben. Gerade weil man zulange vor der bedrohlichen Situation die Augen verschlossen hat, die Verantwortlichen uneins über zu treffende Maßnahmen (Investieren oder Sparen) waren und anscheinend das spielende Personal auch die benötigte Qualität vermissen lässt. Damit wurde wertvolle Zeit verspielt und eine totale Verunsicherung innerhalb der Mannschaft und beim verantwortlichen Übungsleiter erzeugt. Ich befürchte, dass die Katastrophe (Abstieg) nicht mehr zu vermeiden ist, da hilft auch der neue Slogan „Tapfer und treu“ nicht besonders weiter.  Eigentlich müsste jetzt schon ein „Plan–B“ für die zweite Liga erarbeitet werden, um nicht ins Bodenlose abzustürzen.

Wie wichtig gerade in Krisensituationen entschlossenes Handeln und ein eingeschworenes Führungsteam sind, beweist ein anderes „Nordlicht“, Werder Bremen. Noch gerade rechtzeitig wurde ein kompletter Schnitt gemacht. Ein neuer Aufsichtsrat mit hoher Fach-Expertise, und ein neuer Trainer, der nicht nur mit viel Begeisterung wieder die Freude auf den Trainingsplatz zurückgeholt, sondern auch mit einem klaren Konzept und „1000% Identifikation“ mit dem Verein die Fans wieder hinter die Mannschaft gebracht und Erfolge erzielt hat.

In Bremen stimmt vielleicht tatsächlich die alte Erfahrung, dass „Menschen den Unterschied machen“ und Krisen gleichzeitig Chancen sind, man muss diese nur erkennen und nutzen…

 

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