Fußball: Die Schule fürs Leben

Training: Spielen, Spielen, Spielen!

Schon im Training so viel wie möglich spielen und „weniger ist oft mehr“!

Diese Zusammenfassung gleich mal am Anfang als wichtigsten Tipp, gerade im Kinder-, Jugend- undAmateurbereich.

In meinen letzten Beiträgen ging es um den Trainer/in als Vorbild, Planung und Vorbereitung des Trainings (So kann man ERSTER werden) und wie man die Grundmotivation der Spieler nutzen kann.

Heute soll es um praktische Tipps für´s Training gehen, gerade wenn die Trainingsbeteiligung der Spieler/innen sehr stark schwankt und vielleicht auch noch der Platz mit anderen Mannschaften geteilt werden muss.

1) Weniger ist oft mehr

Wechsel von Belastung und Entspannung / Regeneration schützt vor frühzeitigem Verlust der Leistungsfähigkeit und steigert diese. Wenn Du ständig im Training an und über die Leistungsgrenzen der Spieler gehst, werden diese schnell ausgebrannt und müde sein.

2) Trainingsaufbau und Systematik

Bei zwei bis drei mal Training die Woche kann die jeweilige Trainingsdauer zwischen 80 und 100 Minuten (incl. Aufwärmen und abhängig nach Alter und körperlichem Zustand der Spieler) variieren.

2.1) Einleitung = Erwärmen – Dehnen – Kräftigen – Lockern
  • Ca. 15 bis max. 30 Minuten ( auch abhängig von Wettersituation, Platzbeschaffenheit, etc.)
  • Alleine und/oder mit Partner und/oder mit Ball. Kleine Ballspiele (4/5 : 2; 6:6 ohne oder auf kleine Tore;,,,) können eingebaut werden.
  • Keine maximalen Belastungen (Spurts, Kraft/-Kraftausdauer, etc.)!
2.2) Hauptteil = Setzen von Schwerpunkten
  • Verbesserung der Technik und/oder Ausdauer, Schnelligkeit, Kraft, Taktik, Schnelligkeits- und Kraftausdauer.
  • Ca. 30 bis 40 Minuten
  • Konzentration auf wenige, aber effektive Übungen
  • Speziell Schnelligkeits-/Schnelligkeitsausdauerübungen (Sprints) immer mit ausreichendem Aufwärmprogramm und mit ausreichenden Pausen (bei Schnelligkeit)
  • Abschlussspiel
2.3) Auslaufen / Regenerieren

3) Training mit Spaß und Leistungssteigerung: Spielen-Spielen-Spielen

Alle Komponenten des Fußballspiels , nämlich Kondition, Technik, Taktik, Einstellung / Erfahrung, und der eigentliche Zweck -Tore schießen und verhindern – können am besten mit Spielen in jeglicher Form trainiert und verbessert werden!
Die Hauptkonzentration im Training auf Spiele, und nicht auf langweiliges Runden laufen oder komplizierte Einzelübungen, bringt folgende Vorteile:

  • Hohe Motivation für die Spieler, da Spielen ihren Grundbedürfnissen entspricht.
  • Schaffen von vielen Erfolgserlebnissen (Tore, tolle Parade, Klasse Pass, gewonnener Zweikampf, etc.), damit wieder hohe Motivation bei den Spielern und Steigerung des Selbstbewusstseins.
  • Geringer organisatorischer Aufwand bzgl. Planung, Hilfsmitteln, Platzgröße etc.
  • Durch entsprechende Regeln, Spielfeldgröße, Anzahl der etc., kann der individuelle Leistungsstand und die Anzahl der Spieler optimal berücksichtigt werden.
  • Geeignete Spielformen (Über-/Unterzahl, Beschränkung der Kontaktzahl, Tore nur nach Flanken, etc.) verbessern gleichzeitig Technik, taktisches Verhalten und Einstellung der Spieler.
  • Spielformen sind die wirkungsvollste Trainingsform, speziell bei Mannschaften mit wenig Trainingsmöglichkeiten/-zeiten und immer wechselnder Beteiligung der Spieler.

4) Nach dem Training

  • Auf die Gesundheit und richtige Körperpflege der Spieler achten! (Duschen, trockene Haare / Wechselkleidung gerade bei Nässe / Kälte)
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Nichtalkoholische Mixgetränke (Fruchtschorles) sind am besten.
  • Bei Jugendlichen (unter 18) erlaube zumindest auf dem Sportgelände keinen Alkohol und kein Nikotin. Bei Erwachsenen brauchst Du dazu viel Überzeugungsarbeit und das Mitmachen des Einzelnen.

 

9 Gedanken über “Training: Spielen, Spielen, Spielen!

  1. Uwe

    Fußball spielen lernt man durch Fußball spielen…

    auch eine alte Wahrheit! Als ich als Trainer begann, dachte ich mir auch tolle Übungen und Parcours aus. Heute lache ich darüber. Denn ich habe reichlich viele bewegungstalentierte Kinder erlebt, die in den Parcours glänzten, in der Spielsituation aber nichts mit ihren Talenten anzufangen wussten.

    Mein Schlüsselerlebnis vor einiger Zeit: Ich stellte einen 8-jährigen sehr talentierten Jungen meines Teams beim HSV vor. Nach 20 Minuten im Training winkten die HSV’ler ab und meinten: Joa… der hat schon Talent und ist schnell und so. Aber technisch ist er noch hinter den Kindern hinterher, die bei uns sind. Ich antwortete ihnen, was sie eigentlich wollen? Fertige Bundesligaspieler? Mit 8? Der Junge ist hochtalentiert und voll motiviert. Er hat Instinkt, ist laufstark, zweikampstarf und hat den Riecher für das Spiel. Ganz nebenbei spielt er in einem Team mit 2 Jahre älteren Kids und ist unangefochtener Torschützenkönig der letzten Saison. Aber stimmt, den doppelten Rittberger mit einfacher Schraube und dreifachem Übersteiger kann er noch nicht.

    Das zweite Schlüsselerlebnis hatte ich nach diesem Probetraining des Jungen. Der kam danach zu mir und meinte: Ich muss da doch nicht hin oder? Ich finde das Training in unserer Mannschaft viel besser.

    Ich verzichte großteils auf Trockenübungen. Aber was großen Raum bei mir hat, ist die Schulung nach Horst Wein. Horst kenne ich persönlich und ich konnte bei einigen Seminaren bei ihm viel lernen. Er sagt: Fußball ist zunehmend ein kognitiver Sport. Ausschlaggebend für den Spielerfolg wird immer mehr spielintelligentes Verhalten und Cleverness. Recht hat er! Und das schult man mit Minifußball im 3 gegen 3 und dadurch, dass man die Kinder viel (frei) spielen lässt.

    Insofern spricht mir ernst Holzmann aus der Seele! Auch wenn manch einer beim DFB noch lange nicht so weit ist, ich bin davon überzeugt, so sieht das Training der Zukunft aus!

    Viele grüße
    Uwe

    1. Ernst Holzmann Beitrags Autor

      Richtig so! Die Kids spielen lassen, so wie (wir) früher auf dem Bolzplatz. In unterschiedlichen Zusammensetzungen (Leistung, Alter, Anzahl der Spieler,…) und bloss nicht zu früh in ein Schema (Verteidiger, Stürmer, etc.) pressen. Und die Funktionäre beim DFB denken nur in „Erfolgskategorien“ und Trainer bei Profi-Vereinen haben null Interesse an der Ausbildung eines einzelnen Spielers, sondern „picken“ sich die Besten, nur damit ihre eigene Mannschaft- und damit sie selber – erfolgreich sind.

    2. Gerd

      Naja, die Badewannenkapitäne aus dem Volkspark sind in fast allen Bereichen ein abschreckendes Beispiel. Warum soll die Nachwuchsabteilung besser sein, als die Plastik-Profi-Abteilung „aber mit Dinotradition“ powered by Kühne?
      Doch Schadenfreude beiseite. Leider ist es in sehr vielen Profivereinen so, dass zwar immer was von Ausbildung erzählt wird, am Ende aber doch nur Tabellenplätze zählen. Die Trainer sind allesamt enorm unter Druck und müssen abliefern – keine Talente sondern Tabellenplätze. Dabei kommt doch sowieso nur höchstens einer pro Jahrgang in den Profibereich, was noch nicht 1. Liga heißen muss. Anstatt auf den einen oder auch mal zwei Besondere zu achten, diese unabhängig von Körpergröße und Durchsetzungsvermögen zu fördern, steht auch in der E, D oder C-Jugend der Tabellenplatz im Fokus. Jeder halbwegs kompetente Jugendtrainer weiß, das ist Quatsch. So werden Jahr für Jahr die Teams zu großen Teilen ausgetauscht, und am Ende kommt mit Glück eben einer durch und landet dann vielleicht in der 2. oder 3. Liga.
      Wenn man dann noch die Summen hört, die abgehalfterte Profis als Nachwuchstrainer bekommen, wird es endgültig peinlich und lächerlich. Von dem Gehalt eines HSV-Nachwuchstrainers (Name bekannt) würde ich eine ambitionierte Jugendabteilung mit 30 Teams finanzieren. Aber stattdessen müssen sich die Funktionäre und Trainer erstklassiger Amateurvereine suggerieren lassen, sie wären meilenweit von den Jugendabteilungen der Profivereine weg. Sind sie auch. Nur oft in anderer Richtung, als es sich einige Verantwortliche mit siebenstelligen Gehältern das vorstellen. Wann hat der HSV nochmal das letzte begabte Eigengewächs herausgebracht? Ich kann mich nicht erinnern, vermute aber, dass ich nach Uwe Seeler noch einen oder zwei vergessen habe.

  2. Martin

    Die Zeiten ändern sich…..
    Früher war die Kindheit endlos. Kinder verfügten über unendlich viel Zeit. Es gab kein G8 (Die, die das eingeführt und damit zu verantworten haben, sind kinder- u. gnadenlose Verbrecher!!!) u. der Nachmittag begann nach Hausarbeiten u. Mittagessen u. endete gegen 19:00 Uhr. 4-5 Stunden, um mit seinen Freunden Fußball zu spielen, in allen Varianten (siehe Dietrich: „Spielgemäßes Konzept“). „Learning by doing“ 4 Stunden täglich zumeist jahrelang. Torschuss, Passen, Freilaufen, Einzel-, Gruppen-, Mannschaftstaktik jeden Tag, oft improvisierend, weil „Kalle schon nach Hause musste“.
    Daher ist Spielen, Spielen, Spielen (Spielenlassen) auch heute noch die beste trainingsmethode für das Juniorentraining. Und nur dann, wenn ein Trainer eine sehr gute Begründung (Erlernen des Druckpasses o.ä.) für isoliertes Üben während des Trainings hat, sollte er die Kinder für kurze Phasen vom Spielen während des Trainings abhalten. Viele technische Fertigkeiten lassen sich auch während des Spielens schulen (Torschüsse nur mit ……. / Torabschlüsse nur nach ….. etc.).
    Ich verfolge weiterhin diesen Blog u. lese gerne die Beiträge meiner vielen engagierten Trainerkollegen!!!

  3. Olli

    Wann hast Du diesen Text den geschrieben? Zum einen geht’s beim hsv erst mit der U11 los, zum anderen ist Horst Wein seit einem halben Jahr tot.

      1. Micha

        Hallo Hr. Holzman,
        großes Lob für Ihren Blog! Spielen Spielen ist wirklich SUPER wichtig für die Entwicklung der Kids
        Zum Thema mit dem HSV bezieht sich OLLi sicher auf den Kommentar von UWE!

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