Fußball: Die Schule fürs Leben

Vereinspolitik: Auf das wahre Kapital setzen!

Aber was ist denn das wahre Kapital, ausser den Mitgliedsbeiträgen, Eintrittsgeldern und Einnahmen aus Bratwurst- und Bierverkauf?

Das wahre Kapital eines Vereines sind die eigenen Fans, die Ehrenamtlich Tätigen und vor allem eine qualifizierte Nachwuchsarbeit. Und nicht irgendwelche dubiosen Investoren oder Geldgeber, die schneller weg sind, wie sie kamen!

Gerade in der Wettkampfkause/im Saisonwechsel haben die Verantwortlichen bei den Vereinen (egal ob Kreis-/oder Bundesliga) die große Chance, sich neu zu positionieren und vielleicht sogar einen kompletten Neuanfang zu wagen. Um gut aufgestellt zu sein, reicht es aber nicht aus, einen neuen Mittelstürmer zu verpflichten, oder 5 neue Trainingsbälle zu kaufen. Man muss sich schon die Mühe machen – gerade im Kinder- und Jugendbereich – ein bisschen hinter die Kulissen zu blicken, die Spieler und deren Motivation besser zu verstehen und entsprechend zu reagieren. Auch deswegen meine nachfolgenden Zeilen als kleine Gedankenstütze und Anregung.

1) Faszination Fußball: Große Begeisterung und Herausforderungen

„Fans stürmen Public Viewing Plätze bei Fußball-Großveranstaltungen“ – „Vereine verhängen Aufnahmestopp für Kinder“ – „Randale in Fußball-Stadien nehmen zu“ – “immer weniger A-Jugendmannschaften im DFB“.

Diese sich anscheinend widersprechenden Schlagzeilen der letzten Wochen beschreiben trefflich die Situation des deutschen Fußballs. Die attraktive Spielweise und Erfolge der Deutschen Spitzenvereine und der Nationalmannschaft haben eine Welle der Begeisterung entfacht und die Kinder „rennen den Vereinen die Bude ein“.

Dadurch stehen deren die Verantwortlichen aber vor großen Herausforderungen: Verfügbarkeit und Anzahl von Trainingsplätzen, Anzahl und Qualität von Betreuern und Trainern,…. Eine vernünftige Organisation des Trainings- und Spielbetriebs ist oft nicht mehr zu stemmen, die Kosten laufen den Einnahmen davon.

Gleichzeitig hat die Aggressivität auf und an den Fußballplätzen zugenommen, die
Probleme der Gesellschaft (Rechtsradikalismus, Ausländerfeindlichkeit,…) haben die
Vereine erreicht. Diese sind oft hilflos in der Bewältigung und fühlen sich von den Sport-Organen und der Politik alleine gelassen.

Daneben führt falscher Ehrgeiz von Eltern und Trainern oft schon im Kinderbereich zu hohem Leistungsdruck, viele Spieler verlieren mit zunehmendem Alter die Lust am Fußballspielen und hören schließlich ganz auf.

Verantwortliche (Trainer, Abteilungs-/Jugendleiter,…) in den Vereinen fragen sich:

  • Wie kann man von der großen Begeisterung profitieren und sie gleichzeitig mit einfachen, aber wirkungsvollen Methoden in geordnete Bahnen lenken?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, um sowohl den sportlichen Erfolg (ohne „großes Geld“) mit einer Mannschaft zu erreichen, als auch Einzelspieler entsprechend fördern zu können?
  • Wie kann man Kinder / Jugendliche motivieren, damit sie langfristig dem Fußball – und auch vielleicht dem eigenen Verein – treu bleiben?

2. Lebenssituation der Spieler, speziell von Jugendlichen

Um die Verhaltensweisen der Spieler positiv beeinflussen zu können, muss man ihre Lebensverhältnisse kennen und verstehen. Obwohl die meisten Menschen in Deutschland eigentlich in „paradiesischen“ Verhältnissen leben, müssen immer mehr (und ganz speziell die Jugendlichen) ihr Leben unter schwierigen Rahmenbedingungen meistern:

  • Keine geregelte Arbeit, unzureichendes Einkommen
  • Oft schwierige private Verhältnisse (zerrüttete Familien, problematischer Freundeskreis, instabile Beziehungen)
  • Kein vorhandener Wertekatalog: „Was ist richtig, was ist falsch; geringer Respekt vor anderen Menschen / Kulturen ; Fehlen von „richtigen“ Vorbildern in der Gesellschaft
  • Fehlende Anerkennung, Erfolgserlebnisse und Selbstbestätigung (in der Schule, zu Hause, im Beruf)
  • Nicht erkennbare Perspektiven (Ausbildung, Arbeit, Beziehungen, Lebensort)

Durch diese Situation wächst die Unsicherheit (wo gehöre ich hin, was wird aus mir,…), Zukunftsangst entsteht, viele Jugendlichen flüchten sich in Alkohol/Drogen, fallen „falschen Freunden“ oder radikalen Gruppen in die Hände, werden aggressiv und suchen ein Ventil zum Ausleben ihrer Frustration .

3. Die schönste Nebensache der Welt aus dem Blickwinkel der Spieler

Fußball-Spieler jeglichen Alters, aber ganz besonders im Kinder- und Jugend-Bereich, wollen:

 

  • Erfolgserlebnisse, Anerkennung und Selbstbestätigung.
  • Ihre eigenen Leistungsgrenzen herausfinden, testen und steigern.
  • Abwechslung vom Alltag und Freude an der Bewegung als Ausgleich zu oft „körperlosen“ Betätigungen wie Schule/Studium, akademische/“geistige“ Berufe.

Fußball bietet einen unvergleichlichen Reiz: Vor dem Spiel weiß eigentlich keiner, wie es schlussendlich ausgeht, auch die „Kleinen“ können sehr wohl an einem guten Tag dem vermeintlich Unschlagbaren ein Bein stellen.
Man kann sich Ziele setzen, hat eine Perspektive („diese Saison will ich aufsteigen, mein erstes Tor schießen, bei den 1. Herren spielen, ….) und kann damit oft dem langweiligen Alltag entfliehen.

Die Fußballmannschaft und/oder der Verein bieten Geborgenheit und sind oft sogar ein Ersatzzuhause. Damit befriedigt die eigene Mannschaft den Wunsch nach der Zugehörigkeit zu einer gleichgesinnten Gruppe, man fühlt sich wichtig, respektiert und akzeptiert.

Und: Was gibt es denn für ein schöneres Gefühl, als nach einem 0:2 Halbzeitrückstand am Ende nach dramatischer Aufholjagd ein 3:2 mit seinen Kumpels zu feiern?! (und vielleicht noch das entscheidende Tor geschossen zu haben!!).

Zusammengefasst kann man sagen:

Fußball-Spieler wollen mit Gleichgesinnten Spaß haben, suchen aber auch den sportlichen Erfolg für sich und die Mannschaft.

Wie man zu den Wünschen und Anforderungen der Spieler als Verein reagieren kann, erfahren Sie in meinem nächsten Beitrag.

3 Gedanken über “Vereinspolitik: Auf das wahre Kapital setzen!

  1. Pingback: Vereinspolitik: Erfolg auch ohne viel Geld - Ernst Holzmann´s Blog

  2. Erwin Häcker

    wie war ist dieser Artikel, aber es wird in der Amateurklasse so praktiziert mit Ausnahmen.
    Zum Beispiel wurde eine Meisterschaft gefeiert, ohne dass ehemalige Vorstände dazu eingeladen wurde, ich meine dass ist nicht die „feine englische Art“ – Oder ?

    Auch die Nachwuchsarbeit lässt sehr zu wünschen übrig, meistens wird in die 1.Mannschaft investiert wie z.Bs. viel Geld für den Trainer ausgegeben, und bei der Jugend stehen keine qualifizierte Trainer Trainer und Betreuer zur Verfügung.

    So könnte man das fortführen…

    Ich finde es Schade…

    Mit sportlichen Grüßen

    Erwin Häcker

  3. Pingback: Leitbild eines Vereines als starke Klammer - Ernst Holzmann´s Blog

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